Zentrumsentwicklung

 
Eingetragen am 18. Mai 2017
 
Arbeitsgruppe Zentrumsentwicklung: Abschlussbericht liegt vor



An der Gemeindeversammlung im Herbst 2014 wurde beschlossen, eine Arbeitsgruppe Zentrumsentwicklung zu gründen. Diese sollte den Bedürfnissen der Gemeinde auf den Grund gehen und die nötigen Grundlagen für die weitere Entwicklung erarbeiten. Der Gemeinderat formulierte daraufhin ein Pflichtenheft und die Arbeitsgruppe nahm ihre Arbeit im September 2015 auf. Nun wurde der Schlussbericht dem Gemeinderat vorgestellt.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe unter der Leitung von Walter Koch nahmen ihre Arbeit bereits vor der Startsitzung vom 16. September 2015 auf. Die rechtlichen Grundlagen und das Pflichtenheft wurden im Vorfeld studiert. Zu den Grundlagen gehörten Richtplan Dorfzentrum, Studien Bushaltestellen, Leitbild, Verkehrs- und Siedlungskonzept, Bebauungsplan, Baulinienplan, usw. Die Arbeitsgruppe war sich einig, dass an diesen schon früher erarbeiteten Papieren grundsätzlich festgehalten werden soll. Zuerst galt es, den Betrachtungsperimeter und das Vorgehen zu definieren. Welche Bedürfnisse hat die Buttisholzer Bevölkerung und mit welchen Massnahmen gelingt es, diesen gerecht zu werden?

Um diese Frage zu beantworten, wurde die Firma GSP AG, Zürich, beauftragt, eine Marktanalyse zu erstellen. Im Weiteren erstellte die Arbeitsgruppe eine IST-Analyse der sich im Perimeter befindenden Grundstücke. Es wurden viele Gespräche mit Grundeigentümern von Liegenschaften im Dorfkern geführt. Die Arbeitsgruppe tauschte sich mit den Detaillisten aus und es wurde ein öffentlicher Anlass organisiert, welcher sich einer grossen Beteiligung erfreute. Auch mit den Fachgremien wurden Gespräche geführt. Diese Vorgehensweise erlaubte der Arbeitsgruppe in ihrem Schlussbericht zu drei verschiedenen Themen Massnahmen festzulegen. Bei jeder Massnahme ist definiert, wer dafür zuständig ist und in welchem Zeithorizont sie ausgeführt werden sollte.

Zum Thema Einkauf und Detailhandel gibt es einen Grundsatz, welcher heisst: „Einkauf im Dorf sicherstellen.“ Beim zweiten Thema Wohnen und öffentliche Bedürfnisse wurden zwei Grundsätze festgehalten: „Richtplan Dorfzentrum wird gestützt“ und „moderate Förderung von Wohnungsbau und Gewerbeflächen im Dorfzentrum.“ Zum dritten Thema Verkehr und freie Räume gilt wiederum der Grundsatz: „Richtplan Dorfzentrum wird gestützt.“

Der Schlussbericht wurde per Ende März 2017 fertiggestellt. Am 4. Mai hat die Arbeitsgruppe Zentrumsentwicklung den Bericht dem Gemeinderat vorgestellt. Der Gemeinderat wird sich nun laufend mit dem Bericht befassen und an der Klausurtagung im Herbst detailliert darüber diskutieren. Der Bericht ist ab dem 18. Mai auf der Website der Gemeinde (www.buttisholz.ch) aufgeschaltet.

Die definierten Massnahmen gemäss Massnahmenplan sollen aktiv angegangen werden. Die Arbeitsgruppe kann sich als weiteres Vorgehen die Entwicklung einer „Dorfidee“, wie von den Fachgremien vorgeschlagen, vorstellen. Idealerweise kann diese Arbeit mit dem laufenden Ortsplanungsverfahren verknüpft werden.

Interview mit Walter Koch Präsident der Arbeitsgruppe

Walter Koch, was bedeutet es für Sie, wenn die Buttisholzer Bevölkerung sich wie folgt äussert: Bezüglich Einkaufsmöglichkeiten im Dorf soll alles so bleiben wie es ist. Man ist zufrieden mit dem was man hat (Ergebnis der Marktanalyse)?
Damit alles so bleibt wie es ist, braucht es enorme Anstrengungen. Um ein belebtes Dorfzentrum zu erhalten, müssen wir in die Zukunft schauen und vorausplanen. In Buttisholz ist es noch nicht zu spät. Die Anzeichen zeigen jedoch, dass Handlungsbedarf besteht. Verkaufsläden werden in naher Zukunft wohl geschlossen werden (aufgrund Pensionierungen). Andere sind durch rückläufige Umsatzzahlen immer wieder am Kämpfen. Es gibt aber viele Beispiele in der Schweiz die zeigen, wie mit guten Ideen und einer Vorwärtsstrategie Dorfzentren belebt werden können.

Welche Faktoren gehören dazu, um ein Dorfzentrum lebendig zu halten?
Es braucht eine starke Verdichtung mit langfristiger Betrachtung im Dorfkern. Je mehr Menschen im Dorf wohnen, umso mehr Kundenfrequenzen wird es bei den Detaillisten geben. Für kulturelle Anlässe oder Vereinsanlässe im Dorfzentrum braucht es freie Räume beziehungsweise einen attraktiven Dorfplatz. Auch braucht es Gastronomieangebote, die sich ergänzen und gute Zufahrts- und Parkmöglichkeiten. Damit wieder mehr Buttisholzer/innen im Dorf einkaufen und somit das Zentrum beleben, braucht es in Zukunft einen Standort mit allen Detaillisten unter einem Dach.

Wer übernimmt die Verantwortung für eine aktive Zentrumsentwicklung?
Einen Teil der Verantwortung tragen Grundeigentümer/Besitzer und die Detaillisten. Die Verantwortung für die Koordination und Strategie mit Weitblick liegt bei der Behörde. Sie muss mit einer geschickten Kommunikation alle Involvierten motivieren auf ein Ziel hin zu arbeiten. Die Behörde steuert den Entwicklungsprozess aktiv unter Berücksichtigung aller beteiligten Akteure und zum Wohle der Bevölkerung. Zu guter Letzt tragen auch die Buttisholzer eine Verantwortung, indem sie die Angebote schätzen und benutzen.

Was können die Detaillisten zu einer gesunden Zentrumsentwicklung beitragen?
Die momentane Lage der Detaillisten ist sicher hart. Mit einem gewissen Weitblick und auch viel Zuversicht werden unsere Detaillisten auch in Zukunft Überlebenschancen haben. In der heute schnelllebigen Zeit muss man immer in einer kürzeren Zeitspanne für Veränderungen und auch für Investitionen bereit sein. Um diese Investitionen zu tätigen, ist man natürlich auf ein gut funktionierendes Geschäft angewiesen. Mit sehr guter Qualität und einem überragenden Service kommen die Kunden ins Dorfzentrum. Gemeinsame Aktionen, attraktive Öffnungszeiten, spezielle Events und vieles mehr sind möglich. Ohne Attraktionen kommen die Kunden heute nicht mehr automatisch ins Dorf. Diese Möglichkeiten müssen heutzutage ausgeschöpft werden. Die Ansprüche steigen von Jahr zu Jahr, einfacher wird es nicht.

Was kann die Buttisholzer Bevölkerung dazu beitragen, um das Dorfzentrum belebter zu machen?
Die Einwohner von Buttisholz können natürlich viel dazu beitragen, ob unsere einheimischen Detaillisten und Gewerbetreibenden einen florierenden Betrieb führen dürfen. Dies benötigt unser Bewusstsein und den Willen, unsere Geschäfte im Dorfzentrum zu berücksichtigen. Wenn die gebotene Qualität und der Service stimmen, werden die Buttisholzer Einwohner sicherlich immer wieder im Zentrum einkaufen gehen.

Was soll sich im Dorfzentrum sonst noch verändern?
Das ganze Umfeld eines Zentrums ist sehr entscheidend. Mit einem attraktiven Dorfplatz kehrt auch Leben ins Dorf ein. Mancher Verein plant seine Veranstaltung gerne im Dorfzentrum, wenn die notwendige Infrastruktur (Platzgestaltung/Platzverhältnisse) vorhanden ist. Eine Dorfplatzgestaltung soll zu gegebener Zeit realisiert werden und darf auch etwas kosten. Wir sind in Buttisholz in der glücklichen Lage, genügend Landfläche an attraktiver Zentrumslage in Gemeindebesitz zu wissen. Diese Grundstücke haben grosses Potenzial für Wachstum für die nächste oder übernächste Generation (auch im Bereich öffentliche Bedürfnisse).

Braucht es Massnahmen oder Veränderungen in der Verkehrsführung?
Der Verkehr hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Dies wird auch in den nächsten Jahren so weitergehen. Das heisst für Buttisholz auch problematische stockende Verkehrsflüsse, jedoch nur zu den Stosszeiten. Wir halten am Rechtsvortritt fest. Wir sind klar der Meinung, lieber einen langsamen Verkehr statt eine Schnellspurstrecke durchs Dorf zu haben. Mit gestalterischen Massnahmen kann die Verkehrssicherheit noch zusätzlich erhöht werden. Zudem führt dies zu einem attraktiveren Dorfzentrum. Der Detailhandel und die Gewerbebetriebe sind auf genügend und attraktive Parkplätze angewiesen. Dies kann mit einem allfälligen neuen Zentrumsladen (alle unter einem Dach) realisiert werden. In der heutigen Mobilität ist es unabdingbar, Parkplätze vor dem Laden anzubieten.

Wie kann ein moderates Wachstum im Wohnungsbau gewährleistet werden (Grundsatz im Massnahmenplan)?
Mit dem zugestandenen Wachstum des Kantons (0.5 Prozent), kann die Gemeinde Buttisholz keine Stricke zerreissen. Mit dem Erstellen von Wohnungen im Zentrum kann aber die Personenfrequenz gesteigert werden, um den Detailhandel zu unterstützen. Ein erstes Wohnbau-Projekt soll in Kürze starten. Zu hoffen ist, dass nächste Projekte folgen. Bestehende Lücken sollen geschlossen werden. Bestehende Landwirtschaftsbetriebe im Dorfzentrum sind sich bewusst, dass in Zukunft (früher oder später) die Verdichtung gegen Innen stattfinden wird. Mit einer sorgfältigen Strategie ist dies sicher umzusetzen.

Was empfiehlt die Arbeitsgruppe dem Gemeinderat als weiteres Vorgehen?
Der von uns erarbeitete Massnahmenplan soll so schnell als möglich angegangen werden.
Zusätzlich soll der Input der Fachbehörden weiterverfolgt werden. Der Vierphasenplan mit der Entwicklung einer Dorfidee führt zu einer Nutzungsstrategie mit einer späteren etappierten Umsetzung.

Mitglieder der Arbeitsgruppe Zentrumsentwicklung
Walter Koch, Präsident Arbeitsgruppe
Roland Bühler, Gemeinderat Bau
Reto Helfenstein, Geschäftsführer (Protokoll)
Norbert Aregger, GAB Genossenschaft
Anita Hodel, Allgemeine Vertretung
Helen Affentranger, CVP
Marcel Tschopp, SVP
Arthur Schürmann, FDP / ehemaliges Mitglied Controlling-Kommission



Fotos:
Walter Koch, Präsident Arbeitsgruppe Zentrumsentwicklung

"Der Einkauf im Dorfzentrum soll sichergestellt werden" lautet ein Grundsatz. (Bild von Markus Suppiger)
 
 
 
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