Gemeinde-Nachrichten

Interview zur Zentrumsentwicklung mit Franz-Xaver Zemp, Gemeindepräsident

«Ein Dorfzentrum muss eine Ausstrahlung haben und das wiederum kann nur erreicht werden, wenn wir es mit Leben füllen.»

Aktuell überarbeitet die Gemeinde Buttisholz ihre Ortsplanung. Welchen Stellenwert nimmt dabei das Dorfzentrum ein und welche Themen der Gemeindeentwicklung bewegen die Bevölkerung?

Das Dorfzentrum bildet die Strategie des Gemeinderates ab und hat einen sehr hohen Stellenwert bei der zukünftigen Entwicklung von Buttisholz. Als Landgemeinde bekennen wir uns zum schonungsvollen Umgang mit Kulturland und unterstützen die internen Kreisläufe. Zudem steht die Zeit auch in Buttisholz nicht still und die Gesellschaft verändert sich. Daraus ergeben sich zwei Stossrichtungen. Die erste betrifft die Grundversorgung. Läden und Gaststätten schliessen oder sind zumindest zunehmend mit Existenznöten konfrontiert, während dem die Leute ihre Einkäufe auswärts tätigen. Die zweite betrifft die Tendenz zu einer Schlafgemeinde. Trotz eines sehr breitgefächerten Vereinslebens finden die sozialen Kontakte zunehmend nicht mehr im Dorfzentrum statt. Das Zentrum wirkt an vielen Tagen leer und ausgestorben.

Warum hat die Gemeinde 2015 das Projekt Zentrumsentwicklung angestossen und inwiefern ist dies ein Schlüsselprojekt der Gemeinde?

Wir können nicht seitens der Bevölkerung verlangen, dass sie selbst eine Entwicklung initiiert und die Gemeinde aber passiv bleibt. Die Gemeinde muss hier einen aktiven Beitrag leisten und zielstrebig vorangehen. Davon ist der Gemeinderat fest überzeugt. Zudem wollen wir damit ein wichtiges Signal setzen und uns von innen nach aussen entwickeln. Schon vor der Abstimmung zum Raumplanungsgesetz 2013 haben wir uns gegen weitere Einzonungen von Bauland an der Peripherie ausgesprochen. Zudem ist unser Dorfbild von nationaler Bedeutung eine Verpflichtung. Schön sein allein reicht nicht aus. Wir dürfen und wollen nicht zu einem Museum verkommen. Ein Dorfzentrum muss eine Ausstrahlung haben und das wiederum kann nur erreicht werden, wenn wir es mit Leben füllen.

Wie hat sich das Dorfzentrum und dessen Qualitäten in den letzten rund zehn Jahren verändert und inwiefern bestehen Chancen für die Dorfentwicklung?

Unser Dorfzentrum ist eingebettet in eine wunderbare Umgebung mit kurzen Erschliessungswegen in alle Himmelsrichtungen. Das dörfliche Erscheinungsbild wirkt nach aussen top und ist sicher einmalig. Die Bausubstanz braucht allerdings da und dort eine Investitionsspritze, insbesondere was die gemeindeeigenen Liegenschaften betrifft. Potenzial besteht unbestritten darin, dass die Grundversorgung im Dorf gestärkt werden kann, sich die Dienstleister wieder vermehrt im Dorf zeigen und wahrgenommen werden und die Gastronomie auch nach aussen strahlen kann. Zudem stelle ich fest, dass die massgeblichen Veränderungen primär parallel zu den gesellschaftlichen Entwicklungen erfolgen. Das Restaurant Hirschen wurde im Jahr 2014 geschlossen, ein Café mit einem breiten Angebot von Patisserie und Snacks fehlt, die Läden der Grundversorgung kämpfen mit sinkenden Umsatzzahlen und die Post verändert sich von der eigenständigen Poststelle zur Agentur. Ohne Gegensteuer stirbt das Zentrum aus. Lösungen erfolgen über neue Zusammenarbeitsformen, über Anpassungen der entsprechenden Infrastruktur und den Mut, sich auf Neues einzulassen.

Welche Erwartungen hat der Gemeinderat und die Bevölkerung an das Projekt, welches sind die konkreten Erwartungen an die Bevölkerung hinsichtlich der Innenentwicklung?

Die Erwartungen sind bei gewissen Personen der Gemeinde sehr hoch, während dem sie bei andern Leuten sehr tief liegen. Dabei stellt sich für mich die Frage, ob alle den Ernst der aktuellen Lage erkannt haben? Entwicklungen brauchen Zeit, müssen zuerst angestossen werden und sollen ohne unnötigen Zeitdruck zielgerichtet vorangetrieben werden können. Das ist der Weg, den der Gemeinderat mit der Initiierung der Zentrumsentwicklung angestossen hat. Hinsichtlich der Innenentwicklung ist der Perimeter viel breiter als die Zentrumsentwicklung gefasst. Mit der aktuellen Ortsplanungsrevision können wir die Innenentwicklung gut anstossen und positionieren. Auch wollen wir bei der Zentrumsentwicklung den Fokus nun in den beiden noch ausstehenden Phasen verstärkt auf das Hirschen- und Gassareal richten. Der Gemeinderat wünscht sich dazu von der Bevölkerung die notwendige Geduld. Es handelt sich dabei um einen anspruchsvollen Prozess, der nun sorgfältig weiterentwickelt werden muss. In der heute sehr schnelllebigen Zeit will man oftmals viel zu schnell konkrete Ergebnisse sehen. Ein sorgfältiger und wirksamer Prozess lässt das aber nicht zu.

Wie ist das Projekt bisher in der Bevölkerung akzeptiert und verankert? Welchen Stellenwert nehmen im Projektprozess die Partizipation bzw. Kommunikation und der Umgang mit lokalem Wissen ein?

Der drohende Verlust der Grundversorgung bereitet vielen Einwohnerinnen und Einwohner Sorgen und erhöht die Akzeptanz, eine Entwicklung in Gang zu bringen. Wenn man nichts tut, wird auch nichts so bleiben wie es heute ist. Die Kommunikation nimmt in dörflichen Entwicklungsprozessen einen sehr grossen Stellenwert ein. Allerdings darf dadurch ein angestossener Entwicklungsprozess nicht behindert werden. In einem derartigen Prozess verändern sich die Fakten rasch und regelmässig. Deshalb scheint mir die Einbindung der Bevölkerung durch sich zur Verfügung stellende Personen und regelmässige Mitwirkungsveranstaltungen sehr wichtig. Die Personen sollen am Prozess partizipieren, was jedoch bedingt, dass sie sich mit dem Thema intensiv auseinandersetzen und sich aktiv ins Projekt eingeben. Schliesslich geht es um die konkrete Gestaltung der Zukunft.

Welches sind die bisher wichtigsten oder auch überraschendsten Erkenntnisse im Projekt (Phase 1 und 2), warum?

Die Arbeitsgruppe Zentrumsentwicklung hat hervorragend gearbeitet und mit einem 4-Phasen-Modell auch einen konzeptionellen Lösungsweg zur Entwicklung vom Dorfzentrum aufgezeigt. Der IST-Zustand wurde ausführlich dokumentiert. Der zweite Projektschritt inklusive Entwicklung einer Dorfidee war für die Bevölkerung eine Herausforderung. Viele waren der Ansicht, dass sie doch ihre konkrete Dorfidee bereits hätten. Querdenker zeigten uns dabei neue Möglichkeiten auf. Das mündet eben noch nicht in ein konkretes Projekt, sondern ist lediglich ein (Papier-) Teil auf dem Weg der Zentrumsentwicklung.

Inwiefern hat die Vision «Dorf der Kreisläufe» den Gemeinderat überzeugt, was ist darunter konkret zu verstehen?

Das Streben nach einer gewissen Unabhängigkeit ist doch tief im Menschen verankert. Wir verfügen in Buttisholz über sehr viele der dazu notwendigen Ressourcen. Wieso sollten wir diese also nicht selbst nutzen? Da man nicht alles parallel machen kann, muss das Projekt in verschiedenen Phasen (kurz-, mittel- und langfristig) erfolgen. Als erster Schritt ist angedacht, sich von der Dorfidee zum Zentrum der Begegnung zu entwickeln. Der Hirschenplatz soll nicht nur als liebloser Parkplatz wahrgenommen werden, sondern sich zum Zentrum der Begegnung in mehreren Schritten entwickeln.

Welches sind die weiteren Vorgehensschritte im Projekt und wann wird dabei die Bevölkerung wieder aktiv in den Projektprozess einbezogen?

Als erstes muss die zweite Phase offiziell abgeschlossen werden. Anschliessend wird 2019 die Nutzungsplanung als dritter Schritt gestartet und nach Möglichkeit zu Ende geführt. Dazu suchen wir wiederum Personen, die sich aktiv einbringen wollen. Betroffene sollen zu Beteiligten gemacht werden. Der dritte Schritt beinhaltet eine öffentliche Mitwirkungsveranstaltung, deren Form und Zeitpunkt allerdings noch offen sind.

Woran ist künftig das Projekt als erfolgreiches Projekt zu erkennen? Was darf nicht passieren, warum?

Der Entwicklungsprozess muss konsequent weiterverfolgt werden können. Dies im Wissen, dass eine konkrete Weiterentwicklung die Gemeinde kostet. Daher ist die Bewilligung der finanziellen Mittel sehr wichtig. Wir dürfen nicht der Versuchung verfallen, Abkürzungen zu nehmen oder abzubrechen. Das Projekt ist dann erfolgreich, wenn wir nach der vierten Phase erfolgreich einzelne Puzzleteile im Zentrum nach und nach einer konkreten Nutzung zuführen können.

Inwiefern zielt das Projekt auf die Förderung der Lebensqualität und Standortattraktivität von Buttisholz?

Weil wir das Dorfzentrum wie bereits in der Vergangenheit zum Ort der Begegnung machen. Durch unsere zentrale Lage im Kanton Luzern mit dem Naherholungsgebiet vor der Haustür soll Buttisholz auch in Zukunft über seine Gemeindegrenzen hinaus strahlen. Man soll und darf auch in Zukunft stolz sein in Buttisholz wohnen zu dürfen.

Zum Abschluss: Welches sind Ihre drei wichtigsten Wünsche an die beiden noch verbleibenden Projektphasen (Nutzungsstrategie und Umsetzung)?

Erstens der Glaube an die Zukunft und an die eigenen Stärken. Zweitens sich einbringen und gemeinsam an einem Strick in die gleiche Richtung ziehen. Drittens Geduld.